Der Anfang von allem von Jutta Richter, 2008, HanserJutta Richter

Der Anfang von allem
(Leseprobe aus: Der Anfang von allem, Prosa, 2008, Hanser).

Manchmal spricht Adam auch mit dem Mond.

Aber nur, wenn der rund und gelb ist und seinen Mondmund geöffnet hat und diesen stummen Schrei ausstößt, den man noch weit hinter den Sternen hört. Dann springt Adam auf. Und sein Mantel flattert im Wind, und er schwankt ein bisschen, so wie ein Seemann, der nach langer Fahrt wieder das Land betritt.

Und Adam blickt dem Mond ins Gesicht, dann lacht er bitter.

»Ein Lumpengesindel also sind wir!«, ruft Adam. »Du meinst, wir sind ein Lumpengesindel? Ach so! Du willst Dich beklagen? Wir gefallen Dir nicht mehr? Deine Welt gefällt Dir nicht mehr?«

Adam schaut suchend zum Heckenrosenstrauch, denn dort sitzt nachts immer die Katze und lauert auf Beute. Auch jetzt sitzt sie da, und Adam ruft: »Hast du das gehört, Katze? Seine Welt gefällt Ihm nicht mehr! Er hat es satt, sich um uns zu kümmern. Er hat die Nase voll.

Ein Lumpengesindel nennt Er uns! Wie findest du das, Katze? Sag was dazu!«

Rezension I Buchbestellung IV08 LYRIKwelt © Hanser-Verlag