Seit meiner Kindheit sammle ich Steine. Wenn ich in Stimmung bin, lese ich vom Wegrand, was mir auffällt. Eiförmig taubengraue, unscheinbare Murmeln und faustgroße rote Feldsteine. Einen habe ich, wie ein Ohr. Ich meine einen Stein, der wie ein Ohr aussieht. Keiner der Menschen, die ich kenne, versteht meine Gewohnheit. Auch meine Frau nicht.
Ich habe einen Stein, der tickt. Nicht, daß er klappert, wenn man ihn schüttelt, oder auch nur, daß sein Geräusch nach dem Schütteln in Gang kommt und bald wieder aufhört. Er tickt. Er hat nie aufgehört zu ticken, meines Wissens. Es ist leise, man muß sich über den Stein beugen oder ihn nah an sich halten, um es zu hören. Ansonsten ist er flach, undeutlich rosa, ziemlich schwer. In der Nähe des Randes sind Vertiefungen, bei näherem Zusehen erkennt man Zeichen, Buchstaben, zu einem Ring angeordnet: "ETERNA". Ich betrachtete den Fund dieses Steines als eine gute Gelegenheit, um meiner Frau meine Vorliebe näher zu bringen. Sie heißt so, Erna. Ich schenkte ihn ihr zu Weihnachten. Auch ihr. Sie betrachtete ihn, fragte oberflächlich: "Wozu" "ET"?" "Er tickt auch", sagte ich. Meine Frau nahm sich nicht die Mühe, dies nachzuprüfen.
Wenn es nach ihrer Meinung überhand nimmt, läßt meine Frau einen Arbeiter kommen, der die Steine auf seinen Schubkarren lädt, sie hinausfährt und an den Straßenrand schüttet. Im Frühjahr füllt man damit die Frostaufbrüche. Ich glaube, man hat auch den tickenden Stein abtransportiert. Ich finde ihn nicht mehr.
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