Wie bunt entfaltet sich mein Anderssein von Anna Rheinsberg, 1993, Personaverlag

Anna Rheinsberg

Über Mascha Kaléko
(Leseprobe aus:
Wie bunt entfaltet sich mein Anderssein, Lyrikerinnen der zwanziger Jahre, 1993, Personaverlag).

"Zeitlebens Flüchtling, im ‘Nirgendwo’ zuhaus, war sie vertraut mit dem Elend, aus dem ihre Sprache erwuchs. Sie war die junge lyrische Stimme Berlins der frühen dreißiger Jahre, eine zierliche Frau mit einem runden Gesicht, losem Mund und einer Baskenmütze, keck auf das wilde Haar gedrückt. Sie liebte Berlin, die Stadt, die sie verstieß, und deren Lied sie sang, verzweifelt in den Jahren ihres New Yorker Exils und in Israel, dem Land, das ihr Schutz bot. Lied vom Trotzdem: Schnauze, Halsweh, Herz janz jroß. Schreibmaschinenfron, möblierte Zimmer, Hunger, verpatzte Rendezvous und Kahnpartien -- fürs Alltägliche, Flirt, Bitternis und Unglück, schuf sie Verse. Reime von heiterer Musikalität. Sie hatte Tempo, und in alles legte sie Verstand, ihren Kummer und einen Sinn hinein. So war sie ein Ich, Berlin lächelte und lieh ihr den Atem, Witz und Ironie."

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