Die Staubfee von Nicole Rensmann, K&C-Bucoase, 2002Nicole Rensmann

aus: Die Staubfee

... Aber was war das? Mama griff nach dem Lappen, den sie aus der Küche geholt und auf den Boden gelegt hatte. Aber da, in der Lampe, da war doch was drin. Lisa sah es auch und starrte mich an. Mama schien es nicht zu sehen. Gefährlich nah war sie schon mit dem Lappen an diesem Ding. Sie sah nur Dreck und Staub. Aber das... das durfte sie doch nicht wegwischen!
„Nein, Mama! Schau doch!", schrien Lisa und ich.
Meine Mutter zuckte vor Schreck zusammen. Sie hatte uns bis dahin tatsächlich nicht gehört. Doch bevor sie schimpfen konnte, zeigten wir auf das, was wir entdeckt hatten.

„Guck doch!", sagte ich. Es war schwer zu erkennen, wie es da so lag, umgeben von kleinen Staubwolken. Doch dann, endlich, sah es auch unsere Mutter.
„Was ist denn das?", rief sie. Das wussten wir auch nicht, aber es war auf jeden Fall zu schade, um es wegzuwischen. Was ich damit alles anstellen könnte: Unter das Mikroskop legen und beobachten. Vielleicht auch das ein oder andere damit rumprobieren, ach, da würde mir ´ne Menge einfallen. Was auch immer es war, es weckte mein Interesse. Auch Lisa schien aufgeregt. Sie würde das Viech sicher wie ein Meerschweinchen pflegen wollen, ihm Zöpfchen ins Haar binden und eine Schleife um den Hals hängen.
...

...
Doch bevor ich das Besteck holen und Lisa weiter schneiden konnte, hörten wir ein Geräusch, das uns alle in Panik versetzte. Laut kreischend rannten wir aus der Küche... Lisa, Mama und ich. Wir schrieen gegen das Gebläse des Staubsaugers an, doch Papa hörte uns nicht. Es schien ewig zu dauern, bis die Rettung für die Staubfee im Schlafzimmer ankam.
Wie am Morgen unserer Mutter, rissen wir nun Papa das Staubsaugerrohr aus den Händen und den Stecker aus der Steckdose.
„Nein! Nicht saugen, Papa!", schrie Lisa.
Und ich: „Du tust ihr weh!"  ...

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