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Weil der Vater das Sagen hatte
als Herr über Leben und Tod
(Leseprobe aus:
Weil der Vater das Sagen hatte als Herr über Leben und Tod, Eine
Auseinandersetzung mit seinem Vater, Seite 34, 1996, Landeszentrale für
politische Bildung).
VI.
Nun kommt der Sohn fünfzig Jahre später dem Ereignis, in dessen Mittelpunkt der Vater steht, immer näher und liest erstmal in einem Buch über die EUTHANASIE nach, wie das damals war, damit er eine Verbindung herstellen kann zwischen der großen Geschichte und der Geschichte des Vaters.
Im Juli 1939 setzen sich im Auftrag des für Euthanasiefragen zuständigen Hauptamts II, das der Kanzlei des Führers angeschlossen ist, einige Ärzte zusammen und beraten ein Euthanasieprogramm.
Die Anwesenden sind sich darin einig, daß Euthanasie notwendig ist. Weiterhin stimmt man überein, daß Kohlenoxyd ein hervorragendes Mittel ist, Menschen schnell und schmerzlos zu töten. SS-Gruppenführer Nebe erhält den Auftrag, Probetötungen durchzuführen. Auf die Frage, ob Menschen oder Tiere getötet werden sollen, antwortet er später mit dem häufig zitierten Satz: weder - noch, es würden Tiere in Menschengestalt umgebracht. Einer der Anwesenden macht den Vorschlag, doch nicht lange herumzufackeln, das einfachste wäre, das Gas in der Nacht in die sorgfältig abgesperrten und abgedichteten Schlafsäle einzulassen. Doch dieses Vorgehen widerspricht deutschem Ordnungssinn. Vor den Hinrichtungen kommt der Papierkram: Biographieren, Anamnesieren, Selektieren, Kommentieren, dann erst Töten. Als es dann später in einigen Anstalten drunter und drüber geht, muß auch geschossen werden.
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