Dichterinnenleben
(aus: Wär
ich ein Seeheld, Gedichte, 2001, Jung
& Jung)
Als Gastgeberin eher
gefürchtet,
denn sie würde sich immer einen herauspicken
und zum Gespött der Tafel machen.
Niederträchtig auch gegenüber den engsten Freunden,
falls es sie gab, dazu
Antisemitin, obwohl der eigene Mann undsoweiter.
Als sie einmal einer Gruppe Debiler auf der Straße begegnete,
fand sie, solches Leben gehöre ausgerottet.
Dabei von unglaublicher Befangenheit,
auch nur einem einzigen Falterflügel
literarische Kontur zu geben.
Mit huschendem Stift dem Flüchtigsten nachjagend,
horchte sie ab, wo die eigenen Sätze sie hinführten,
sie (sich) ständig unterbrechend durch Semikola,
die wie griechische Fragezeichen
in den Texten stehen.
Aufgelöst von den Blicken der anderen
das, was sie schrieb.
Beschlagen im Wahnsinn wie keine.
Dabei nicht ohne Sinn für Praktisches,
zum Beispiel wenn sie an dünnem Arm
die zu ergänzenden Bleitypen
der Firma Caslon nach Richmond schleppte
oder sich die Taschen
mit Steinen beschwerte,
damit sie nicht wieder hochkäme
im River Ouse.
Rezension I Buchbestellung I home IV01 LYRIKwelt © Jung & Jung