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Nizza - mon amour
So viele Städte in einer Stadt. Nizza, wie Rom
erbaut auf sieben (oder mehr?) Hügeln, ist eine
gro ße siebenschwänzige Katze: mal auf Sammetpfoten
und mal krallenkratzig; mal liebevoll schnurrend
und mal fauchend; mal schmeichlerisch sich
anschmiegend mit seidenem Fell und mal gesträubt
wütig – dem eigenen vitalen Rhythmus untertan
und sonst niemandem. Stolz, verschwiegen, rätselvoll
und lasterhaft. Unergründlich wie jede schöne
Frau. La ville ist weiblich. »La ville inconnue«, sang
die Piaf, der Spatz, und entzückende kleine Nachäfferspätzinnen
plärren dies vor so manchem Straßencafé,
besonders gerne am »Palais de Justice«.
Ei nen Baldachin aus Rosen hat man der zärtlich
»Gas sen junge«, »le môme«, genannten Chanso
nette aufgespannt auf der kleinen Place Edith Piaf,
eine Art Ro sen-Voliere, aus deren geschwungenen
Gittern die roten, gelben, orangefarbenen gefi ederten
Blüten hervorfl attern wie ihr Lied.
Der Tanzfächer, die schöne Frau. Ich muß dem
noch eine Metapher im Femininum hinzufügen –
eine der ganz großen, staunens- wie bewundernswerten
Besonderheiten, die Nizza und ihr herrliches
Umland bieten; denn ich schreibe hier nicht
nur meine Impressionen dieser Stadt nieder, die
der hervorragende Frankreich-Kenner Johannes
Willms einmal spöttisch »Stuttgart am Meer« genannt
hat. Ich erlaube mir, den Fächer ganz weit
auszufalten. Auf unseren Streifzügen werden wir
mal bis Monte Carlo gelangen und mal bis Antibes,
bis Villefranche, Èze und Vence ohnehin; einmal
mit besonders kühn ausgreifendem Schritt gar bis
Sanary-sur-Mer. Ein Juwel – Nizza – lebt ja auch
durch seine kostbar ziselierte Fassung – die Umgebung
–, und so ziert also, wie den schlanken
Hals einer Schönen, mal vielfach eng gelegt, mal
ohne Knoten weit ausschwingend, die erlesene
Kette wunderbarster Museen unsere Stadt. »Nizza,
22. Januar 1892«, notierte Edvard Munch in seinem
Tagebuch – das Datum gilt inzwischen als Geburtsstunde
seines weltberühmten Gemäldes »Der
Schrei«. Doch keineswegs immer – wenn auch oft –
geht es hier um »große Kunst«. So beginne ich
meine weit ausgreifende Wunderreise in dem entzückenden
Schmetterlingsmuseum im Château von
Tourette-Levens, hoch oben an der alten Salzstraße
nach Piemont gelegen. Da wispern dem Besucher
Hunderte der »plus beaux papillons du monde«
Märchen aus alten Zeiten und fernen Kontinenten
ins Ohr: schillernd und in den schier unglaublichsten
Farben leuchtend, als habe der liebe Gott
emaillierten Lack auf die manchmal handtellergroßen
Flügel getupft.
Vorher noch ein Blick in das charmante »Musée
des Métiers Traditionels« gleich nebenan, ein
winziges Kellergewölbe mit alten Gerätschaften,
Eisenpfl ügen, hölzernen Weinpressen oder einer
»Gaffe du charretier«, einem alten Kärrner-Geschirr,
und all jenem Handwerksgerät, von dem
Marx nicht zu Unrecht behauptete, an ihm manifestiere
sich noch die nicht-entfremdete Arbeit der
Menschen – und danach möchte man sich Zauberschwingen
leihen und weit hinausschweben über
die Berge und die liebliche Landschaft. Vielleicht
würde man dann landen in dem nur fünf Kilometer
von Nizza entfernt gelegenen Bergnest Falicon,
gleich vor der Statue des »Ste-Vincent – Protecteur
de Falicon« oder – kulinarischer – im Terrassenrestaurant
»Au Thé de la Reine«; wem das Geld beim
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