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Verhalten
(aus: Verhalten,
Roman, 2002, Tropen-Verlag)
AN DIESEM TAG
IM HERBST oder im Oktober wird O ihre Freundinnen getroffen haben. O trifft ihre
Freundinnen jetzt gerne, denn A und O leben seit kurzem getrennt. O und ihre
Freundinnen albern herum. Sie machen sich schon lange nichts mehr aus Männern,
ihre Freundinnen. Mann sein, sagt eine von ihnen, ist eine antike Obsession, ein
Bündel an Dispositionen für den Hugo, eine Einstellung als Auslaufmodell. O
lacht. Ihre Freundinnen gratulieren ihr zur Entscheidung, A verlassen zu haben.
Sie sitzen gemeinsam an einem Tisch in einer Bar. Es ist wenig Licht dort und
viel Rauch von Zigaretten, vorzugsweise Gauloises Blondes Legères aus roten
Packungen. Alle zusammen gratulieren ihr. Man einigt sich und lacht.
…
Seltsam sei es doch gewesen, denkt A laut, dieses Gehörthaben zu einer Familie,
wo man wie ein Gefangener gelebt hat. Seltsam, ein erwachsener Mensch in
fortgeschrittener Lebensphase gewesen zu sein, denkt A laut, und als erwachsener
Mensch hingemußt zu haben, zu einer Frau, O, oder zu den Kindern, B und M, in
ein dunkles oder nur fahl beleuchtetes Zimmer, wo man die Frau oder die Kinder,
O, B, M, nur halb im Dunkel gesehen hat, und sie um Erlaubnis zu fragen, abends
ausgehen zu dürfen zur Vernissage oder zur Dichterlesung oder ins
Haubenrestaurant eines Bekannten. Deshalb, weil es so seltsam gewesen ist, wie A
laut denkt, hatte er lieber nicht gefragt, sondern hatte bereits ein schwarzes
Sakko der Marke Armani umgeschnallt und die Wohnungstür hinter sich
geschlossen. Machen wir uns nichts vor, denkt A laut, es wird eine gewöhnliche
Geschichte der Gewalt gewesen sein.
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