Brigitte Pulley-Grein

Lebensuhr

In der Sanduhr stetig rinnen
„Lebenskörnchen“ durch das Glas;
Und so sehr ’s sich drin auch regte,
Kam’s, daß ich mir überlegte
Zu beschleunigen ihr Maß,
Denn ich kam nicht recht von hinnen.

Ach, wie quälend war das Warten
Eh’ ein Jahr zog durch das Land!
Glaubte einst, daß neue Uhren
Schneller ziehen ihre Spuren,
- tickten pendelnd an der Wand -
Im Sekundentakt sie schnarrten.

Heute sind die Jugendzeiten
Lange schon Vergangenheit;
Manche Wünsche sich erfüllten,
Andre sich in Nebel hüllten,
Gerne wär’ ich nun bereit
Mal bedächtiger zu schreiten.

Wieder geht ein Jahr zu Ende,
Diesmal schien ’s mir viel zu schnell;
Kaum, daß Frühling kam gezogen,
Spannt’ der Sommer seinen Bogen,
Doch die Tage froh und hell,
Fanden bald schon eine Wende.

Fortan gilt mein ganzes Streben,
Jede Stund’ zu kosten aus;
Wenn die Tage trübe sinken,
Will den herben Kelch ich trinken,
Bis mein Weg mich führt nach Haus -

Dankbar für gelebtes Leben!

(12/2001)

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