Der Drachenjunge
Die Welt ist bevölkert von Elfen,
Ungeheuern und Zwergen, dunkle Mächte
schwarz, lauern auf Menschen in den Bergen. Eine Frau läuft durch die
Dämmerung, vom Regen durchnässt, umklammert ihr Kind, damit sie es aus
Angst nicht fallen lässt.
„Gedulde dich mein ängstlich Kind, bald sind
wir in Sicherheit!“ Schwarze
Gestalten schleichen immer näher in der Dunkelheit. Eine grüne Nebelelfe
will helfen, sich hinter Bäumen versteckt, hat längst die Dämonen der
Macht in der Finsternis entdeckt.
Mit dröhnender Stimme brüllt eine Kreatur nach
der Frau: „Gib mir deinen
Sohn, er ist frisch wie des Morgens Tau!“ Die Frau rennt mit dem Kind im
Arm, stürzt den Weg entlang, in ihren Augen erkennt man Todesangst,
Schwäche und Bang.
Der steinige Weg ist vom braunen Laub der Bäume
übersäht, die Frau sieht
die klaffende Schlucht vor ihr viel zu spät. Schreiend stürzt sie hinunter
über Geröll und Gestein, das Kind fällt zu Boden, bleibt zurück nun
allein.
Aus einer Wolkenbank zuckt ein Blitz herab
strahlend grell, die düstere
Schattenwelt verharrt im Augenblicke schnell. Von oben kommt ein Drache zu
Hilfe dem armen Kind, ergreift es, bevor die grausamen Schatten schneller
sind.
Nebel steigt auf, eine knisternde Magie glänzend
schön, weit am Horizont,
kann man den Drachen fliegen sehen. Geborgen wächst der Junge im Tal des
Drachen auf, Monate und Jahre vergehen, die Zeit nimmt ihren Lauf.
Das Reich der Zwerge und Drachen leidet unter dem
Bann des Bösen, in
vielen alten Büchern kann man über ihr Schicksal lesen. Die Ausrottung der
Drachenwelt steht bevor unmittelbar, ein junger Mann mit magischer Kraft,
könnte dies verhindern fürwahr.
Der Junge ist auserkoren für die Drachenwelt zu
kämpfen, er muss mit 14
Jahren zurück ins Tal, die schwarzen Schatten dämpfen. Den blauen Stein
des Friedens besitzen, wenn er zurückkehrt, wurde ihm von seinem Retter,
dem Drachen jahrelang gelehrt.
Es ist spät im Sommer, der Tag um los zu gehen,
steht zur Wahl, tapfer
macht sich der Drachenjunge auf den mühsamen Weg ins Tal.Auf einer Anhöhe
still erblickt er das Dorf, liegt verlassen im Dunkeln; es sei bereits
verwunschen, hört man die Gräser im Wind munkeln.
Ohne Angst und Furcht schreitet er zur Hütte
seiner Mutter vor, mit
glutroten Augen und Hass darin öffnet sie dem Sohn das Tor. Erfolglos hat
sie nach dem Kind jahrelang in Angst gesucht,
weshalb sie sich mit dem Bösen vereinte, jetzt ist sie verflucht.
Sie ist im Besitz des blauen Steines, hält ihn
im Garten vergraben, dort
wo die bösen Mächte sich an den verlorenen Seelen laben.„Ich bin die
Hüterin des Steines!“, kreischt sie ihm ins Gesicht.
„Ich bin dein Sohn, Mutter, erkennst du mich nicht!“
„Ich kenne dich nicht, verlass das Dorf und geh
zurück!“„Endlich habe ich
dich gefunden, Mutter, welch ein Glück!“ Um die Hütte die schwarzen
Schatten des Bösen aufgehen, es wird dunkel, man kann die Sterne am Himmel
nicht sehen.
Der Junge stößt sie zur Seite um den blauen
Stein zu befreien. Sie fasst
ihn mit ihren Krallen, man hört ihn noch schreien. Es beginnt ein
schrecklicher Kampf auf Leben und Tod. Das Weiß seiner Magie, gegen das
Dämon Augen Rot.
„Ach Mutter, ich liebe dich, lass mich am Leben
sein!“ „Dem Teufel werde
ich opfern deine Drachenseele rein!“ So tötet sie den eigenen Sohn in
ihrem unendlichen Hass, der Drachenjunge fällt zu Boden, sein Gesicht
leichenblass.
Die Nebelelfen weinen bitterlich, wollen helfen
noch schnell, jedoch der
schwarze Tod war ihnen voraus und flinker zur Stell. Unangekündigt kommt
gnadenloser Sturm ins Geschehen, von weitem kann man den Drachen
heranfliegen sehen.
„Du kommst zu spät!“, lacht das Weib ihn
spöttisch aus. Die Schatten
werden zu Feuer, verschlingen sie samt Haus. Im letzten Moment fasst er
seinen Jungen, hebt ihn von der Erde, damit das ruhige Tal der Drachen
seine letzte Ruhestatt werde.
Verloren ist die Hoffnung auf ewigen Frieden und
Glück. Verzweifelt bringt
der Drache seinen Jungen ins Tal zurück.
Das Böse hat gesiegt:
Elfentrauer steigt wie Nebel empor, denn das Ende
der Drachenwelt steht
bevor.
Rezension I Buchbestellung I home IV06 LYRIKwelt © F.P.