Gusta Posse

In der Nacht
(aus: Weggefährten aus dem Ruhr-Wupper-Raum, 1962, Verlag Baltin, hrsg. von Hans Schulz).

Leiser Windhauch streift die Blätter,
Weht den Blütenduft der Linde
Zu mir in das off'ne Fenster,
Und im silberhellen Schimmer,
Den der Mond um mich verbreitet,
Lausche ich, in meiner Seele
Wehe Sehnsucht, tiefste Angst.

Nie kann ich den Sinn des Lebens,
Den des Sterbens mir enträtseln,
Wenn sich meine Augenlider
Schließen für den letzten Schla. -

Und ich hebe meine Blicke
In unendlich weite Räume
Und verliere mich im All.

Doch der Blütenduft der Linde
Streift mit honigsüßem Atem
Meine Wange, mein Gesicht,
Und mir ist, als hielte lächelnd
Gott selbst unsichtbar die Hände
Schirmend über mich gebreitet...

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