Grund zu Schafen von Marion Poschmann, 2004, FVAMarion Poschmann

Verneigung vor den eigenen Gefühlen
(Leseprobe aus: Grund zu Schafen, Gedichte, Seite 31, 2004, Frankfurter Verlagsanstalt)

später zersetzt sich die Gegend
in Schwärze, in Weiße, in Bushaltestellen

Autobahnbrücken
feilschen um künstliche Hügel, um
Tannentransporte, dezembrig, unwirklich,
um Energiefelder warmer Karosserien

Laternenalleen
ziehen vergangene Nächte und Tage nach,
Scheunen, Kartoffeläcker, kalten Kaffee

ein feiner Nebel trägt blockweise
hohe Gebäude ab, einzelne Haushalte harren
am Rande der Sichtbarkeit, Lichter,
weit fortgeschritten, räumen Geschäftsviertel ein

Salz Rauch Tümpel
verborgene Elemente
mit denen wir in Unterführungen
Jugend nachahmen
nachholen nachbereiten
die schwarzen Künste der Werbeplakate
im Nacken, und die abgewehrten Kräfte
endlich innen

weil es hier fast nichts zu sehen gibt,
geht man unwillkürlich schneller als normal

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