Gerhard Polzin

Heimat, deine Farben

Wo Bodden sich an Bodden schmiegt,
ein Schlösschen auf dem Hügel liegt,
der Wald steht auf der Uferwand,
wo Sand und Stein bedeckt den Strand,
da tat ich meine ersten Schritte,
dort liegt heut' der Erinn'rung Mitte.
Die Kindheit hat die stärksten Farben,
besiegen meiner Augen Narben,
die mich sehr lange schon begleiten,
den Mantel übers Licht mir breiten
Schärft man die Sinne, die verblieben,
nimmt das die Wucht den Schicksalshieben.
Manch' Eindruck hilft, die Welt erkennen,
doch Bilder will ich das nicht nennen.
Was da in meinem Kopf erwächst,
hat wenig Bild und sehr viel Text.
Mach' ich bewusst mir Farb' und Pinsel,
regt sich in mir die Heimatinsel.
Ich kann und will es nicht verschweigen,
die Farben aus dem Herz mir steigen,
dort ruhen sie Jahrzehnte schon
und sprechen dem Vergessen Hohn.
Was meine Sinne längst verloren,
wird stets im Herzen neu geboren.
Wann immer ich die Welt bereise,
so seh' ich sie auf meine Weise:
Die Orte, die vorüberzieh'n,
sind boddenblau und lietzowgrün.

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