Nach all den Hexametern von Johannes Poethen, 2001, Ithaka

Johannes Poethen

Hol über
(aus: Nach all den Hexametern, Gedichte, 2001, Ithaka-Verlag)

1

Du nimmst dir was vor
wörter
wie sie jetzt kommen
schon haben sies in sich

setzen wir uns zusammen
bis es paßt

bis es ganz
für sich allein
da ist.


2

Dazu dies geflüster innen

plötzlich wieder
woanders her

als müßt ich sie erkennen
die lippen
wie sie sprächen
von außen mir zu

nicht mehr allein
in meinem körper
bloß ich.


3

Aber wozu
nun schon über fünfzig jahr
und immer hinter sappho her

die götter loben nicht
neulust vielleicht
wie es wieder
die glieder regt

doch gewiß
ein lebensmittel.


4

Zahl oder bild
spiegel im spiegel
schwarzes loch mit dir allein

alles fließt
durcheinander

außer uns
bloß dies gedicht

hol über.


5

Die quelle da
mit dem süffigen mund

wie ging sie mich an
wie kämen wir denn
ins gespräch

ohne diese einladung
zum stelldichein
ins leckere zwielicht

zwischen den wörtern.


6

Aus dem gasstaub
im leeren kreisend
die galaxien

aus dem wörterstaub
von mund zu mund
die poeme

das wärs.


7

Am anfang
               von wort
                                   zu wort
der abgrund

der grund
              und darauf
»die formel geerntet«.

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