Johannes Plavius

Liebe den Feind

Fast nichts ist in der schrift / das mehr vnd schwerer scheint /
Als wenn der Herre wil / daß man den feind sol lieben /
Daß man den retten sol / der vns sucht zubetrüben
Daß man den gutes thue / die uns gehässig seind.
Ein heid’ ist nicht so blind / er liebet seinen freund /
Das hat jhm die natur in ’s hertz hinnein geschrieben.
Bist du mehr als ein heid’ und wilt den glauben üben
Wie Christus hie befihlt / so liebe deinen feind.
Wenn er dich nun verflucht / so wünsch’ jhm Gottes segen:
Wenn er dir böses thut / so sey du jhm hergegen
Geneigt / und bitte Gott für jhn / doch ohne schein:
Wenn dein feind hunger hat / so gib jhm deiner speise
Und tränck jhn / wen ihn dürst ( das ist der Christen weise)
So wirst du Gott dem Herrn mehr als ein heide seyn.

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