Die Tagebücher von Sylvia Plath, FVASylvia Plath

Die Tagebücher
(Leseprobe aus: DieTagebücher, S. 159, 1997, Frankfurter Verlagsanstalt - Übertragung Alissa Walser).

Dann geschah das Schlimmste, dieser große, dunkle, wunderbare Kerl, der einzige, der groß genug war für mich, der sich auf die Frauen stürzte und nach dessen Namen ich mich erkundigt hatte, gleich als ich ins Zimmer trat, ohne daß mir jemand eine Antwort gegeben hätte, kam herüber und schaute mir tief in die Augen, und es war Ted Hughes. Ich fing wieder an zu brüllen, etwas über seine Gedichte, und zitierte "most dear unscratchable diamond", und er schrie zurück, gewaltig, mit einer Stimme wie ein Pole "Gefällt's dir?", und dann fragte er mich, ob ich Brandy wolle, und ich schrie ja, und dann zogen wir uns ins andere Zimmer zurück, vorbei an Berts selbstgefälligem Glühbirnengesicht, das aussah, als habe er mittlerweile mindestens neun oder zehn Kinder geboren, und Boing war die Tür zu, und er goß Brandy in ein Glas, und ich goß ihn dorthin, wo nach meiner letzten Erinnerung einmal mein Mund war.

Wir brüllten, als wären wir in einem Sturm, über die Rezension, er sagte, Dan wüßte, wie schön ich sei, über einen Krüppel hätte er das nicht geschrieben, und ich protestierte schreiend, und dabei fielen überraschend oft die Worte "mit dem Verleger schlafen". Und dann stellte sich heraus, daß mir das alles klar war, und ich stampfte und schrie ja, und er mußte im anderen Zimmer noch etwas erledigen, er arbeitet in London, verdient zehn Pfund die Woche, damit er später mal zwölf verdienen kann, und ich stampfte auf den Boden, und er stampfte auf den Boden, und dann küßte er mich, Knall, Boing auf den Mund [Auslassung] ... Und als er meinen Hals küßte, biß ich ihn heftig und lang in die Wange, und als er aus dem Zimmer ging, lief ihm Blut übers Gesicht. [Auslassung] Und innerlich schrie ich und dachte: Ach, dir geb ich mich zerberstend, im Kampf. Der einzige Mann, seit ich auf der Welt bin, der Richard hinwegfegt.

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