Gustav Pfizer

Der Kranke in Italien
(Leseprobe aus: Neue Sammlung, Gedichte, 1835, Paul Reff Verlag).

1.

Was kamst zu schaun du in dieß Land so hold?
Willst du, gehüllt in purpurfarbnen Sammt
Den greisen Priester sehn beim heil’gen Amt?
Bist du der Kunst, der göttlichen, im Sold?

Hat die Granate, der Citrone Gold
Dem bleichen Fremdling solchen Wunsch entflammt?
Vernahmst du, daß man hier nicht streng verdammt
Die Liebesglut von Tristan und Isold?

Lockt dich das Bild der Welt beim Carneval?
Der Leichtsinn, gaukelnd auf der Vorzeit Gruft?
Der heiße Wein, umlaubt noch im Pokal?

Pompeji’s Fund? Der Tiber rost’ger Raub?
Die Geister, tanzend in des Meeres Duft?
Der frischen Schönheit Glanz und heil’ger Staub?

2.

O nichts von diesem! gönnt mir eine Stätte,
Sey es ein Hain, sey’s unter Tempelsäulen,
Wo von Apollos scharfen Todespfeilen
Ich, schwergeängstet, meine Jugend rette!

Laßt ruhen mich im Laub und Blumenbette,
Daß seine Blicke mir vorübereilen,
Daß Wohlgerüche stärken mich und heilen,
Und ich gewinnen mag die theure Wette.

Ich fleh’ Euch Götter, Menschen, Bäume, Rosen!
O laßt nicht weiter den Verfolger streben,
Und mir vergönnet Rast, dem Athemlosen.

Daß ich, von Eurer Schönheit Wall umgeben
Unangefochten länger noch darf kosen
Mit meinem innigtrauten, süßen Leben!

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