Allt eins og blómstrið eina...
nach Hallgrímur Pétursson (1614-74)
(auf der Grundlage der Linearversion von Wilhelm
Friese: die Nachdichtung von Paul
Alfred Kleinert ist Wilhelm Friese (1924-2008) gewidmet)
I
Gleichwie die eine Blume
aufwächst auf eb’nem Grund
schön und in voller Blüte
in früher Morgenstund’
in einem kurzen Nu
durch einen raschen Schnitt
Farbe und Blatt verlor
so auch des Menschen Schritt
II
Und also geht die Jugend
den gleichen vagen Weg
wie Alter in Beschwerde
es ist kein and’rer Steg
auf niemand’ kommt ein Siegel
der Lebensstunden Zeit
doch sicher ist das eine:
der Tod hält sich bereit
III
Er ist der große Einer
der alles mäht vom Weg
er ist der große Schnitter
beräumt den letzten Steg
das Gras und all’ das Grünen
die leuchtend schöne Blum’
Schilfrohr und Ried und Rosen
ihm ist ’s um nichts zu tun
IV
So läuft das menschlich’
Leben
ohn’ Warten schnell dahin
vor Todes grausem Griffe –
das Grab erwartet ihn
der ganzen Welten Weg
führt doch zum gleichen Ort
ob willig oder widrig
ob leicht oder zum Tort
V
Weder vor Macht noch Gelde
weicht je der Tod zurück
schenkt auch nicht um Bestechung
Frist für ’nen Augenblick
ihm alles, alles gleichet
ob übel oder gut
und weder Zorn noch Bitte
mildern den grimmen Mut
VI
Der Mensch watet im Irrtum
und keinem ist bestimmt
der letzten Stunde Wissen
wo es hinweg ihn nimmt
und gibt ein Weg doch allen
Eingang in diese Welt
so gibt ’s der Wege viele
des Ausgangs von dem Feld
VII
Der Todesmacht gebeuget
alles hienieden ist
wie könnt’ ein Denken reifen
daß allein du ’s nicht bist
so pulst der alte Adam
doch auch in meinem Blut
der Ausgang ist beschlossen
zu Erde wird mein Mut
VIII
Weder durch Recht noch
Rauben
dies’ Leben ich hier fand
der Seele eig’nes Lehen
erhält des Körpers Stand
und holt der Herr dereinst
dies’ Leben dann zurück
so ward der Tod gesendet
zu hol’n, was einst geschickt
IX
Nun gut, in Gottes Namen
ein Ausweich’ gibt es nicht
noch bin ich derer keiner
dem es an Leben gebricht
wann immer der Ruf erklinget
vor dem ein Abkauf nicht gilt
ich fühle, was immer auch komme
die Angst ist hier kein Schild
X
Ich weiß, mein lieber
Löser
lebt in den Himmeln dort
und herrschet über alles
es ist kein ander’ Wort
Christ als Besieger des Todes
da selbst er am Kreuze starb
und so mir armem Menschen
das ewige Leben erwarb
XI
Mit seinem Tode getötet
den Tod und gewonnen den Sieg
zerstört dessen Macht und Stachel
kein Schade mir mehr oblieg’
liegt einst der Körper gebettet
in Erde – die Seele ist frei
nie wird sie dem Bösen begegnen
in himmlischem Paradei’
XII
Und Er, nur Er ist mein
Schutz
Jesus nur steht mir im Sinnen
gleich ob ich wach’ oder schlafe
gleich ob ich draußen, ob drinnen
Er ist mir Hilfe und Kraft
Er ist mein wahres Leben
von Herzen ich ihm vertrau’
nimmt von mir des Todes Beben
XIII
Ich lebe in Jesu Namen
und also sterbe ich
verläßt mich auch Heil und Leben
den Tod, den fürchte ich nicht
Tod – mich ängstiget weder
dein’ Macht noch deine Gewalt
in Christi Kraft ich sage:
willkommen – und sei es bald
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