Francesco Petrarca

248. tes Sonett
(Übertragung Rainer Maria Rilke)

Erhabne Flamme, mehr als schöne, schön,
zu der der Himmel neigte so unstreitig,
daß er beschloß, sie, ach für mich zu zeitig,
zu dem ihr gleichen Sterne zu erhöhn.

Jetzt erst erwach ich und gewahr, wie sie
zu meinem Besten jenen Wünschen wehrte,
da sie der Glut, die Jugend noch vermehrte,
ihr Antlitz süß zugleich und trügend lieh.

Ihr dank ich, ihrem Rat und Augenmerk;
wie machte sie mit sanftestem Verachten
in meinem Brand das eigne Heil mir dringend.

Durch Künste, welche würdge Früchte brachten,
war Zunge hier und Braue dort am Werk,
ich Ruhm auf sie, sie in mich Tugend bringend.

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