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Von zahllosen
Fenstern in rechtwinkligen Mustern durchbrochene Fassaden aus Granit und
Sandstein und Marmor, die steil aufragend die Rasenfläche hinter der Public
Library an der fünften Avenue umschließen. Gedämpft nur noch dringt das
Verkehrsgeräusch der großen Straße durch die Sträucher und Büsche am Rand
des Areals, auch Bäume sind da, deren hellgrünes, leicht milchig schimmerndes
Blattwerk einen umlaufenden Kiesweg mit dunklen Flecken tupft; die langsam
ineinander fließen, wenn sich während des Nachmittags schon die Schatten der
Häuser über den kleinen Park senken und ihn in eine zeitige Dämmerung
tauchen. Auf dem festgestampften Kies, oder Schotter, wie heißt das?, stehen
altmodische Klappstühle mit aufgeschraubten Holzleisten als Sitzfläche und
Rückenlehne, mancher Besucher stellt zwei davon zusammen, um in der
Mittagspause kurz die Beine hochzulegen, sein Lunchpaket verzehrend.
Nahebei in der vierzigsten Straße, die hier von Apartmentblöcken gesäumt
wird, gibt es ein Schnellrestaurant, das asiatische Sandwiches verkauft, Tofu
mit scharfen Saucen und Bambussprossen, bloß ein paar Schritte vom Haupteingang
der Bibliothek entfernt: zwischen den hohen Säulen ihres Vorbaus auf die breite
Freitreppe tretend, die zur fünften Avenue hinunterführt, blendet einen
gleißendes Licht, am dunstigen Himmel zerschmelzen die Umrisse der Sonne, und
zugleich ergreift den Körper die Schwüle der Stadt, heiße feuchte Luft, die
unbewegt in den Straßen hängt, so dicht, dass man versucht ist, sie beim Gehen
wie einen Schleier vor dem Gesicht zu teilen. Als würde sie auch den Schall
schwerer und langsamer machen, als sei man in ein Bassin geworfen worden,
scheint das, was man hört, um Bruchteile dem Bild hinterherzulaufen, verzögert
das heulende Geflacker von Polizeisirenen und der in langen Wellen auf- und
abschwellende Ton der Ambulanzfahrzeuge, nachdem man längst schon das dumpf
blitzende, rote und blaue Signal auf den Wagendächern gesehen hat. Irgendwo in
der sechsunddreißigsten sei ein Gerüst eingestürzt, wird gesagt, nein, ein
Lastenaufzug, seitlich eingeknickt, so dass die Gefahr bestehe, dass Tonnen von
Stahl, die ganze Einrüstung des Gebäudes zusammenbreche, alle Anwohner müssen
evakuiert werden – behauptet mit Nachdruck (eine prall gefüllte Tüte von
Macy’s in der Hand) einer der am Fuß der Stufen Stehenden, sonst könne das
Gleiche wie letztens geschehen, ob man sich nicht erinnere, beständig
wiederholt im lokalen Fernsehen die Aufnahme eines Krans, der das ebene Dach
einer Seniorenresidenz durchschlagen hatte, vor wenigen Wochen erst, zwei alte
Leute im darunterliegenden Zimmer tötend.
Elektronisch weißgerahmte Porträtfotos der beiden wurden eingeblendet, dann
aufs Neue in flimmernden Pixeln ein gelbliches Gestänge, das schräg in der
Luft zu hängen schien, als die Kamera es abtastete, über die verkreuzten,
mehrfach gestauchten Stahlsprossen fuhr, bis schließlich der Krater ins Bild
kam, ein ausgefranstes Loch mit zerfetzten Armierungseisen, wo vorher die
Betondecke des Raumes gewesen war. Währenddessen schilderte eine Frauenstimme
aus dem Off den Hergang des Unglücks, ein statisches Problem, wie so oft eine
vermeidbare Nachlässigkeit, der heute nun, hier in Chelsea, zwei betagte
Mitbürger zum Opfer gefallen seien, Teresa Ibanez und Walter Vanbiesbruck,
nichtsahnend eine Partie Karten spielend. Der Kopf eines Augen- oder eher eines
Ohrenzeugen füllte jetzt den Monitor vor den Fenstern der untergemieteten
Wohnung aus, er sprach von donnerndem Krach, den man überall im Viertel gehört
haben müsste, wie die Detonation einer Bombe, würde er mal sagen, wirklich
ziemlich laut. Auf dem Schild, das vorne am Mikrofon der Reporterin befestigt
war, stand Fox News (ja?), und immer, wenn sie sich vom Schauplatz des
Geschehens meldete, nannte sie am Ende des Berichts ihren Namen und noch einmal
den ihrer Station: als sei das Programm in eine sich selbst erzeugende Schlaufe
geraten, folgten jeder Serie (das Fernsehen lief einfach so vor sich hin), jeder
Talkshow an diesem Abend die Bilder des im Dach eines städtischen Altersheims
steckenden Baukrans, die Fotografien, der Zeuge, indessen der Ton des Geräts,
die Stimmen, von draußen eindringender nächtlicher Lärm sich vermischten mit
dem vibrierenden Rauschen der Klimaanlage, die Sarah später doch eingestöpselt
hatte, weil es sonst gar nicht auszuhalten gewesen wäre (frisst extrem Strom
– ein handgeschriebener Zettel, der damals beim Einzug seitlich an dem
rappligen Kasten klebte).
Der Verkehr staut sich, sinnlos drücken Fahrer ihre Hupen, weiter unten scheint
die Straße gesperrt worden zu sein. Einige der vorbeieilenden Passanten halten
sich die Ohren zu, eine junge Frau, die einen schwarzen Lederrucksack trägt,
mit einem schmerzerfüllten Ausdruck auf ihrem blassen Gesicht. In der offenen
Schiebetüre seines kastenförmigen Lieferwagens steht ein Mann in einem blauen
Overall und blickt, sich an der Dachkante festhaltend, über die Autos nach
vorne, ob man etwas erkennen kann, was ist da los?, die Augen brennen ein wenig
von der Arbeit an einem der Lesegeräte im ersten Stock der Bücherei, auf
Mikrofiches gespeicherte Taufregister neuenglischer Gemeinden nach bestimmten
Namen durchsuchend, Variationen von Schreibweisen, fehlenden oder plötzlich
dazugekommenen Buchstaben, die sich in die Worte einschmuggeln von einer Spalte
zur nächsten; scheinbar vorsätzlich, könnte man meinen, und nicht nur, weil
die Beamten, die Pfarrer, zu ungenau hinsahen, was in den Büchern schon stand,
von ihren Vorgängern aufgeschrieben wurde mit Feder und Tinte, wie jemand
heißen soll, Vater und Mutter.
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