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More is less
(Leseprobe aus: More is less, Roman, 2004,
Distel-Literaturverlag
- Übertragung Eliane Hagedorn und Barbara Reitz).
Maurice Laice ging in die Hocke. Ein Schmerz
im Knie verzerrte ihm den Mund, das Gesicht. Das war seine Art, die Toten in den
Griff zu bekommen: Prüfen, sich vorstellen, wer den Körper bewohnt hatte, bevor
er zur Leiche wurde.
Andenken an zahlreiche lustige Momente – eine Sonne aus Falten erhellte das
Gesicht des leblosen alten Chinesen, der ausgestreckt auf dem Rasen lag. In die
Blutblase, die von seiner Schläfe ausging, hatte der Drehbuchautor nicht die
Antwort geschrieben. In der roten Pfütze auf grünem Grund las
Momo-der-Farben-blinde nur den Kontrast braun auf blau, glänzend auf matt.
Maurice hatte immer schon ein starkes Faible für die Alten gehabt. Die Blüte des
Lebens. Vielleicht weil er selbst nie alt, noch lächelnd, nicht einmal faltig
sein würde. Nur voll von Lachen, das ungenutzt in den Saum seines Unterhemdes
eingenäht war. Er fühlte sich verbraucht mit seinen dreiundvierzig Jahren, vier
+ drei = sieben, die Zahl, die Unglück bringt. Nervös rollte er seinen
Zimtkaugummi zwischen Daumen und Zeigefinger und warf ihn in den Abfallkorb. Er
hätte sich selbst hinterher werfen können.
Ein alter Chinese, abgeknallt am ersten Schultag, während er unter den Bäumen
seine Gymnastik machte. Maurice fürchtete sich schon davor, wie sich das Kapitel
fortsetzen würde. Das stank nach Abrechnung. Und Abrechnungen im chinesischen
Milieu mußten ebenso schwer zu entschlüsseln sein wie Ideogramme und Grimassen
der Sänger der Peking-Oper.
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