Jetzt kann man schreiben... von Oskar Pastior, 2003, Hanser

Oskar Pastior

Jetzt kann man schreiben was man will
(Werkausgabe, Bd. 2, 2003, hrsg. von
Ernest Wichner, Hanser)

das durchsichtige gedicht plaudert aus der schule es befindet sich auf einer INNENSEITE etwa des klassenfensters wird aber von AUSSEN unter umständen d h wenn es nicht schon beim schreiben spiegelverkehrt abgefaßt wurde ehestens beim lesen als PALINDROM empfunden so nämlich heißt das fenomen dieses fenomen ermöglicht es dem gedicht aus
der ELUSCH zu plaudern das ist nicht immer NÖSCH denn schon in der sechsten zeile macht das wort AHA alles wieder fraglich denn wie ist es konzipiert? verstehen sie AHA oder AHA? mit anderen worten haben es die lehrer oder die schüler geschrieben lesen es die lehrer oder lesen es die schüler lesen sie es in der klasse oder auf der straße wer liest wo wie? AHA oder AHA? oder ist alles noch palindromischer? war auf der INNENSEITE die absicht ein für die INNENSEITE spiegelgleiches AHA abzufassen nicht etwa mit dem zweck betrieben von AUSSEN zwar ein spiegelverkehrtes gleichwohl aber von der absicht der abfassung her spiegelgleiches die verkehrung von außen miteinbezweckendes und somit in der tat doppelt spiegelverkehrtes also logisch spiegelgleiches AHA abzufassen? der gedankengang läßt sich mit ähnlichen resultaten mehrfach durchspielen verliert aber an relevanz wenn man bei näherer betrachtung auf eine scheinbar vorgegebene symmetrie im AHA selber stößt die andererseits wieder die dinge noch viel verzwickter macht oder nicht? aber richtig brisant wird das gedicht erst in der achten zeile wo im wort REGEN die rassendiskriminierung und im wort BEIL faschistoide elemente im deutschen volkslied angesprochen werden oder nicht? fabelhaft vielschichtig in seiner schlichten pseudo-irreversibilität der schluß SUSE AM SEIL OH EINE MEISE AH EIN HASE

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