Martin Opitz

Freiheit der Liebe

Was zwingt mich auf der Welt mich also hinzugeben?
Ists wohl der Rede wert, gefangen müssen leben?
Ein Vogel wünschet sich in freier Luft zu sein,
Und sperret man ihn gleich in Gold und Silber ein.

Jetzt lieb ich was ich will, jetzt will ich was ich liebe,
Und weiß, daß nichts entgeht, was ich zur Zeit verschiebe.
Aus Tage mach ich Nacht, und aus der Nacht den Tag,
Und prange, daß ich selbst mein Herr und Knecht sein mag.

Weg, weg du Dienstbarkeit, bei dir ist nichts zu finden
Als Gut das Mangel ist, als Was, das bald kann schwinden,
Als Haß, mit Gunst vermengt, als Lust, die Unlust bringt,
Als Arbeit bei der Ruh, als Freiheit, die mich zwingt.

Doch, Venus, deren Lob ich oftmals ausgebreitet,
Ist mir ein Stamm allein an Waldesstatt bereitet,
So füge mir hinfort Sinn, Will und Augen bei,
Recht zu ersehn den Baum, der meiner würdig sei.

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