Denen zum Trost, die sich in ihrer Gegenwart nicht finden können von Ragnar Helgi Ólafsson, 2017 ElifRagnar Helgi Ólafsson

der brunnen
(Leseprobe aus: Denen zum Trost, die sich in ihrer Gegenwart nicht finden können, Lyrik, 2017, Elif Verlag - Übertragung Jón Thor Gislason und Wolfgang Schiffer).

Es fühlt sich so ähnlich an wie Einschlafen. Man
nimmt den Moment nicht wahr, in dem es passiert.
Du stehst am Rand des Brunnens, und bevor du es
merkst, bist du schon unten am Seil angekommen.
Für einen Moment bist du oben, im nächsten unten
auf dem Grund; stehst dort bis zu den Knöcheln im
Wasser. Technisch ist es möglich, das Tau wieder
hochzuklettern, aber jetzt weißt du nicht mehr, wie
es geht. Es bleibt eine theoretische Möglichkeit, eine
philosophische Idee. Nicht viel mehr. Hier ist es
dunkel und feucht und kalt. Hier zu sein ist gut. Es
fühlt sich so ähnlich an wie Einschlafen. Du merkst
es nicht, bis du eingeschlafen bist.

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