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Finis Brest
(Leseproben aus: Finis Brest, Gegenroman, 2003, Ritter-Verlag).
Es war Leben in der Stadt, das
gefiel mir. Von dem Trübsinn, der in Paris alles zu lähmen schien, war hier
nichts zu spüren. Ich fühlte mich befreit. (...) Der Krieg, der hier so nahe
war, verlangte eine Entscheidung auf Leben und Tod, denn die Position der
Festung Brest war unumstößlich. Die Stadt und ihre Bewohner, Franzosen wie
Deutsche, konnten nur überleben, wenn sie den Angriffen der Briten und
Amerikaner standhielten. Das band alle zusammen. Ich betrachtete die Deutschen
nicht als Feinde, weil das gemeinsame Leben an diesem äußersten Rande
Frankreichs keine Gegnerschaft erlaubte.
(...)
Liebst du Uniformen, Vincent? Deutsche Uniformen, graugrüne, feldgraue,
schwarze, blaue, mit Tressen oder mit Totenkopf? Würdest du eine anziehen
wollen? Du musst deswegen nicht zur Luftwaffe gehen oder zur Marine, zur Armee
sowieso nicht. Du trägst sie nur hier in Paris, da wird sie nicht schmutzig und
auch nicht blutig. Nein? Nichts für dich? Aber es gibt Franzosen, die sind ganz
scharf darauf, die laufen auf den Boulevards in deutscher Uniform herum, mit
einem kleinen Spiegelchen in der Brusttasche, um bei jeder Gelegenheit
hineinzuschauen, sonst können sie nicht glauben, dass sie Männer sind. Gut
sitzen muss die Uniform, damit bringen sie ihren Schneider zur Verzweiflung. Und
wenn sie dann richtig gut sitzt, stehen sie stundenlang vor sich selber stramm.
Der Arsch, der in der Uniformhose endlich seine Männlichkeit entdeckt, zuckt
nicht mit der Wimper, wenn die Zeiten etwas rauer werden, solange es ihn nicht
selber trifft.
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