Ich heiße Diener.
Nennen Sie mich Diener, bitte ich ergebenst, ich bin und
heiße Diener. Ein Mensch muss keinen Vor- und Nachnamen
haben. Ich heiße Diener. »Wie ist Ihr Vorname, Nachname?«
fragen sie mich begriffsstutzig, so drehe ich mich um und will
es mir nicht anhören. Die Herrschaften wollen es nicht kapieren?
Wie sonst sollen die Diener ihre Dienerexistenz demonstrieren?
Sie wundern sich, drehen den Kopf, schauen
mich an und wollen es nicht verstehen. »Ich kann Ihnen, mein
Herr, mit keiner Antwort behilflich sein.«
Sie fragen mich noch mal, um den Diener zu verunsichern: »Ihr Name ist Dieter Diener?« Nein, ich heiße Diener. Auf Fragen wie »Warum
nennen Sie sich Diener?« habe ich keine Erklärung. Es kränkt
mich, Worte wie »bedauernsvoll« oder »bemitleidenswert« zu
hören und auf meine Berufung immer zu deuten. Sie sehen
nicht den Diener? Sie nehmen meine prächtige Livree nicht wahr?Rezension I Buchbestellung I home 0I11 LYRIKwelt © M.O.