Nennen Sie mich Diener von  Milena Oda, 2011, SchumacherGeblerMilena Oda

Nennen Sie mich Diener
(Ein kurzer Auszug aus: Nennen Sie mich Diener, Roman, 2011, Verlag SchumacherGebler).

Ich heiße Diener.

Nennen Sie mich Diener, bitte ich ergebenst, ich bin und

heiße Diener. Ein Mensch muss keinen Vor- und Nachnamen

haben. Ich heiße Diener. »Wie ist Ihr Vorname, Nachname?«

fragen sie mich begriffsstutzig, so drehe ich mich um und will

es mir nicht anhören. Die Herrschaften wollen es nicht kapieren?

Wie sonst sollen die Diener ihre Dienerexistenz demonstrieren?

Sie wundern sich, drehen den Kopf, schauen

mich an und wollen es nicht verstehen. »Ich kann Ihnen, mein

Herr, mit keiner Antwort behilflich sein.«

Sie fragen mich noch mal, um den Diener zu verunsichern: »Ihr Name ist Dieter Diener?« Nein, ich heiße Diener. Auf Fragen wie »Warum

nennen Sie sich Diener?« habe ich keine Erklärung. Es kränkt

mich, Worte wie »bedauernsvoll« oder »bemitleidenswert« zu

hören und auf meine Berufung immer zu deuten. Sie sehen

nicht den Diener? Sie nehmen meine prächtige Livree nicht wahr?

Rezension I Buchbestellung I home 0I11 LYRIKwelt © M.O.