Wenn die Sonne die Lieblingsfarbe der Kinder hat von Gerhard Ochs, 2001, Ritter

Gerhard Ochs

Des Mannes schönes Brauch ist es zu atmen
(aus: Wenn die Sonne die Lieblingsfarbe der Kinder hat, Erzählung, 2001, Ritter-Verlag)

Sein Tag verläuft wie ein Behagen. Sobald er in seine Sachen steigt und ein Lachen zeigt, hat er den richtigen Fuß am Bein. Wenn er sich in den Eifer stürzt, sieht er aus wie ein Schwarm, der alles kahlfrißt. Seine Nahrung besteht aus rohen Gedanken. Sein Zimmer ist holzgetäfelt. Sein Geschlecht majestätisch und jung wie das Meer. In jeder Frau hat er einen Hafen. Wie das Wasser von einer Woge an Land geworfen wird, so wirft er manches Auge auf sie. Das macht er mit der gleichen Macht, die er hat, ein Feuer zu entfachen. Seine Pausbacken glühen. Er bleibt ein wenig stehen und drückt sein heißes Herz an das innige Futter seiner Jacke. Allmählich fängt die Hitze an zu knurren und die ersten Hunde verenden. Er aber stellt sich nicht unter im Schatten der Mittagsstunde, sondern folgt der strömenden Sonne und danach einer Ebene. Dort will er angelangen, wo die Welt sich dreht. Noch ehe die Nacht sich neigt, will er sagen können: Ich bin bar jeder Schwere!

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