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Anna–nicht
die, die ihr denkt
(Leseprobe aus: Anna–nicht die, die ihr
denkt, Monolog, 2007, Matthes&Seitz
- Übertragung Angela
Sanmann)
»Ich bin
nicht die, die ihr denkt. Ich weiß deswegen noch lange nicht, wer ich bin, und
wenn ich es wüsste, wäre ich sie dann wirklich? Ich habe jedoch keinen Mangel
an Identität: sie quillt über, sie drängt mich aus mir heraus.
Ich habe sonstwas getan, um ein Gesicht ganz für mich allein zu haben. Ich
glaube, diese Arbeit hat meine Zeit aufgebraucht. Ich hätte das nie gedacht,
ich meine, ich hätte nie gedacht, dass meine Zeit und mein Gesicht verbunden
sind. Ich glaube, die Dinge werden von dem Hunger, den
wir auf sie haben, zu uns hingezogen. Ich habe mich
niemals in meinem Begehren getäuscht, wahrscheinlich,
weil mir das Begehren die Gewissheit und folglich auch
den Willen ersetzt.«
Rezension I Buchbestellung I home IV07 LYRIKwelt © Matthes&Seitz