Marcus Neuert

[Boudoir]

die Nacht ein unerinnerbares Loch, aus der ein schwarzer Kater seine Pfote streckt und mit den losen Nervenenden spielt, die aus dem Stammhirn baumeln. Der Stecker: rausgezogen, nach dem wievielten Glas. Schmerzhaftes Hin und Her zwischen den Schläfen. Fifteen – Love, und ich hab Aufschlag, flüstert das linke Lid. Zeitlupe jedoch. Grell und wild im Raum verteilt die Stiftchen, Döschen, Püderchen. Die ausgezogne Haut, ein Streifen Zufall, nebens Bett geworfen. Thirty – Love, aufschlägt das rechte Auge. Zugbrücke der Wahrnehmung. Aufbieten aller Muskelkraft. Bräunlich verknurkelt seidne Strümpfe überm Handtuchhalter. Das Scharfstellen. Das mühsame Ordnen der Bilder. Das Zuordnen von Benennungen, unter die sich die Begriffe Hering und Aspirin mischen. Die Badtür halb geöffnet. Ein nacktes Frauenbein hängt überm Wannenrand. Beunruhigend: jetzt bloß keine Leiche finden. Und keine Erklärungen dazu. Die Tröstung: Leichen schnarchen nicht,  so dass es von den Kacheln widerhallt. Fourty – Love. Die Augen. Schließen sich. Spiel, Satz und Sieg für Schwärze, Katzen. Und das Sichnichterinnern.

Rezension I Buchbestellung I home II10 LYRIKwelt © © Marcus Neuert, März 2009