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Kim Novak
badete nie im See Genezareth
(Leseprobe aus:
Kim Novak
badete nie im See Genezareth, Roman, 2003, btb - Übertragung Christel
Hildebrandt)
"Weil es ein richtig schöner
Maiabend war, ging ich nach dem Essen zu Benny hinüber. Benny war wie immer auf
der Toilette, deshalb saß ich zunächst einmal mit seiner schwermütigen Mutter
in der Küche.
„Wie geht es deiner Mutter?“, fragte sie.
„Es wird ein schwerer Sommer“, antwortete ich.
Sie nickte. Holte ihr Taschentuch aus der Kitteltasche und putzte sich die Nase.
Bennys Mutter war während des Sommerhalbjahres immer mal wieder allergisch. Sie
hatte Heuschnupfen, so hieß das. Wenn ich genauer darüber nachdenke, glaube
ich, sie hatte das ganze Jahr über Heuschnupfen.
„Das hat mein Vater gesagt“, fügte ich hinzu.
„Ja, ja“, sagte sie. „Kommt Zeit, kommt Rat.“
Zu der Zeit lernte ich, dass Erwachsene so zu reden pflegten. Nicht nur mein
Vater sprach so, man musste so sprechen, damit man überhaupt dazu gehörte, um
zu zeigen, dass man schon trocken hinter den Ohren war. Seit meine Mutter
ernsthaft krank geworden und ins Krankenhaus gebracht worden war, hatte ich mir
die wichtigsten Floskeln eingeprägt, damit ich sie nach Bedarf anwenden konnte.
Es kommt, wie es kommt.
Jeder Tag bringt neue Sorgen.
Es könnte schlimmer sein.“
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