Die Entdeckung des Himmels
(Leseprobe aus: Die Entdeckung
des Himmels, Roman, 1992/1995, Rowohlt TB)
Auch nach dem Kaffee floß der Alkohol munter
weiter, man tauschte die Plätze, und endlich vermischte
sich die Gesellschaft. Spröde Sprachwissenschaftler und tölpelhafte Politiker
ließen merken, dass auch sie etwas von Musik
verstanden, und zerbrechliche Musiker, dass sie
von Sprachwissenschaft keinen Schimmer hatten, sich auch nicht für Politik
interessierten, während Politiker den Linguisten
versicherten, dass eigentlich sie die wahren
>Sprachwissenschaftler< seien, denn sie arbeiteten mit nichts anderem als
mit Worten, so dass genau betrachtet für die
Sprachwissenschaftler nichts mehr übrigbliebe.
Was sie hier eigentlich täten? Onno habe das doch auch eingesehen! Woraufhin
die Linguisten sich erkundigten, ob sie denn
schon ihren Standpunkt zum Düngemittelüberschuß
gefunden hätten. Während die Stimmung stieg, das Geräuschvolumen
zunahm und jemand irgendwo mit Tenorstimme „Wacht auf, Verdammte dieser
Erde!“ sang und brüllte, dass das doch viel schöner sei als Schuberts
Erlenkönig, hatte Max zum ersten Mal
Gelegenheit, einige Worte mit Ada zu wechseln. Er hatte gesehen,
dass sie nur Wasser trank.
Rezension Buchbestellung I home III01 LYRIKwelt © H.M./Rowohlt