Gedankenvernichtung von André Müller, Bibliothek der Provinz

André Müller

Gedankenvernichtung
(Leseprobe aus: Gedankenvernichtung, Ein Experiment, 1984, Brandstätter/Bibliothek der Provinz).

Um einen bestimmten Satz loszuwerden, der mir zu poetisch erschien, als daß ich ihn hätte aufschreiben können, bin ich in ein Kaffeehaus gegangen, habe eine der dort ausliegenden Zeitungen aufgeschlagen und in Anwesenheit des Kellners, so als würde ich aus der Zeitung zitieren, den Satz ausgesprochen. Ich sagte: "Die Gedanken fallen über mich her wie eine Heuschreckenplage." Der Kellner erwiderte achselzuckend, er wisse von nichts, er habe soeben erst seinen Dienst angetreten.

Da es mir trotz stundenlangen Nachdenkens nicht gelang, für meinen kaum noch erträglichen Gemütszustand die passenden Worte zu finden und mir auf diese Weise Erleichterung zu verschaffen, habe ich kurzerhand einen Schrei ausgestoßen. Andernfalls hätte ich den heutigen Tag in meinen Aufzeichnungen überspringen müssen.

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