Hündchen am Wegesrand von Czeslaw Milosz, Hanser-VerlagCzeslaw Milosz

Hündchen am Wegesrand
(aus: Hündchen am Wegesrand
, Kalendergeschichten, 2000, Hanser - Übertragung Doreen Daume)

Um mein Land kennenzulernen, hatte ich mich in einem Zweispänner auf den Weg gemacht. Ich hatte einen großen Vorrat an getrocknetem Futter dabei und einen hinten am Wagen angebundenen, klappernden Eimer, der dazu diente, die Pferde zu tränken. Auf dieser Reise lernte ich die verschiedensten Gegenden kennen, manche waren hügelig, andere waldig, wieder andere ähnlich der Pußta. Dort ballte sich der Rauch über den Dächern der Gehöfte zusammen, so daß es aussah, als würden diese brennen. Das kam daher, weil diese Gebäude keinen Rauchfang hatten. Ich fuhr auch durch Felder und Seenlandschaften. Wie herrlich war es doch, sich auf diese Art vorwärts zu bewegen, die Zügel schleifen zu lassen, zu warten, bis hinter den Bäumen langsam ein Dorf oder ein Park erschien und darin das Weiß eines Gutshofs. Und immer sprang uns sofort ein kleiner bellender Hund entgegen, eifrig und pflichtbewußt. Das war am Anfang des Jahrhunderts, an dessen Ende wir uns nun befinden. Ich erinnere mich nicht nur an die Menschen, die dort lebten, sondern auch an die Generationen von Hunden, die ihnen bei ihren täglichen Geschäften Gesellschaft leisteten, und einmal, ich weiß nicht woher, sicher war es in einem Traum, den ich gegen Morgen hatte, kam mir diese drollige und fast zärtliche Bezeichnung für sie in den Sinn: "Hündchen am Wegesrand".

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