Konstruktionen im Haus oder Iwan Iwanytsch am Fenster von Iwona Mickiewicz, 2011, Hanani VerlagIwona Mickiewicz

Ralfs Frosch
(Leseprobe aus: Konstruktionen im Haus oder Iwan Iwanytsch am Fenster, Bagatellen und Novellen, 2011, Hanani Verlag).

Ralf wachte auf mit dem Gedanken, dass er unbedingt mit dem Frosch reden musste.

Du Frosch, ich muss mit dir reden, sagt Ralf zu Frosch.

Mach dir nichts draus. Ich bin höflich.

Was willst du damit sagen?

Nichts. Alles Paletti.

Du hast damit doch etwas angedeutet.

Ich deute nichts an. Ich bin ein Frosch.

Du bist impulsiv.

Soll das ein Nachteil sein? Ich bin trotzdem ein Frosch.

Okay. Okay. Ich habe nichts dagegen.

Kannst du auch nicht. So ist das. Ich bin ein Frosch.

Wieso musst du immer betonen, dass du ein Frosch bist?

Muss ich nicht, ich bin es schon.

Du bist einfach aufgeblasen.

Ich bin echt. Eben froschig.

Das ist unerträglich!

Schon wieder unzufrieden?

Und der Frosch klebte an Ralfs Stirn wie eine Klette.

Ralf versuchte, ihn mit der Hand abzureißen, aber er war wie angewachsen.

Du Schwein! Komm runter!

Ich bin ein Frosch.

Ralf lief ins Badezimmer und guckte in den Spiegel.

Ein fettes Stück Fleisch in grüner Farbe breitete sich wie ein Gestrüpp auf seiner Stirn aus.

Es atmete regelmäßig und entschieden, seine Augen waren dabei trotzig und sein Rücken unbeugsam.

Ralf stach hinein mit seiner Nagelschere, lief durchs Zimmer und schlug schreiend mit einem Schürhaken zu. Er fühlte auf der Stirn klebrige Wärme: Sein Kopf blutete.

Ralf sank fast ohnmächtig auf die Knie, und mit letzter Kraft schlug er mit der Stirn gegen den Boden.

Beim dritten Mal spürte Ralf keine Schmerzen mehr.

Ich bin ein Frosch, hörte Ralf eine bekannte Stimme.

Ralf lief zu Ralf.

Was hast du mir angetan? Schwein! Schaff diese Kreatur weg! Wieso? Wieso? Schaff ihn weg. Weg. Weg.

Ralf lief voll Blut und mit dem Schürhaken um den Tisch, kippte dabei drei Stühle und zwei Ikea-Lampen um.

Nach vierzig Minuten gab Ralf auf, er warf sich durchgeschwitzt vor Ralfs Füße und danach auf Ralfs Sessel.

Das ist doch ein Frosch, Ralf beugte sich über Ralf, süß. Du musst ihn erschreckt haben.

Ralf nahm den Frosch in beide Hände und setzte

ihn auf einen Sessel neben Ralf.

Wieso musst auch du mich jetzt demütigen? Wer bist du?, fragte Ralf.

Ich bin Ralf-Ralf, hörte Ralf eine bekannte Stimme.

Ralf-Ralf schaute den Frosch vorwurfsvoll an.

Er schaute und schaute und schaute.

Der Frosch atmete und atmete und atmete.

Es gibt nichts Schöneres auf der Welt als Wünsche und Vorstellungen von Lebensharmonie und sonst nichts.

Nichts mehr. Nichts mehr.

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