Francesco Micieli

Mutter; Sprache

Lies mal
Ich schreib über Dich.
In einer fremden Sprache.
Hatten wir eine Sprache?
War dieses I-
diom mit den Wörtern 
für kochen, schlafen, essen, sterben
eine Möglichkeit
sich zu verständigen?
Eine Sprache über das Meer get-
ragen  an eine italienische Küste
vor fünfhundert
Jahren auf Booten
Wie heute im Ferns-
eher andere es tun
eine endlos Telenovela
mit Sprachverlust und Vers-
tummen am Ende.
Dich aber und das Herz kann ich benennen
Mëma, zemër.
Lache nur.
Es ist wirkl-
ich besser, sich nicht
zu verstehen. Weißt Du
wie wir versuchten über Ge-
fühle zu sprechen
wie Deine Gross-
muttersprachen
und meine Muttersprache 
einen Turm bauten
bla, bla.
Ich denke Dich
Jung
Im B-
auch meinen Bruder
auf einem Stück Land,
das beim Weh-
en der Borea einen Streifen des Meeres,
hervorzauberte damals, jetzt
während Du nur Himmel sehend, die Flug-
zeuge zählst.

Den Gedanken, Dich
am Morgen zu finden
und Du
wärst schon ein-
geschlafen für immer.
Ich würde Dich küssen
und Dir eine Lied singen.
Keine Spritzen, keine Tabletten
kein Zittern beim Tr-
inken
Du - ein-
Geschlafen wie ein Kind.

Draussen pur-
zeln Frühling und Lä-
mmer.
Das Kind kommt zurück in Dir
mit ihm dieses Sto-
lpern über die Wört-
er letzte Sätze schw-
er auf der Zunge
auf der Sprache, lingua, gjuhë.
Dein Atmen m-
acht mich ruhig
und schläfrig wie da-
mals als aus Deinen langen, glänzenden Haaren
meine Hände den Schlaf n-
ahmen.

Auswanderung, sagst Du
Welch ein W-
ort!
Italienisch tönt es, wie staatl-
ich verordnet, emigr-
azione
und Trost ist Dir
dass die Zug-
vögel ählich heissen.
Witz und Iro-
nie bevor die Freude Dir das Herz um-
klammert,
vergiften der letzten Wege im Hi-
rn, alle Zentren aussch-
alten, der Sprache einen Stre-
ich spielen, 
sie nur noch zu Lu-
ft
machen ohne Fragezeichen,
Luft nur Luft.
Eigentlich bist Du kein The-
Ma.
Verwirrt hast Du gemerkt,
dass Dir Heimat auf den R-
eisen aus Deinen Koffern gefallen ist.
Ein jämmerlicher Hau-
fen, reicht kaum für eine Pf-
lanze.
In diesen Tagen, die zu sterben sind, 
wanderst du zurück in Dein Aus-
land, wohin mit mein-
en Blumen?

Kit-
sch und Gefühle
wären gut jetzt
aber so-
lange Gott deutsch spricht
wie Du aus deinen Aus-
flügen gemeldet hast, 
ist das nicht möglich ohne
eine "zuckersüsse sizilianische Torte"
zu sein, wie einer aus jener Gegend 
im Norden, wo wir kleiner werden,
als wir sind, zu mir sagte.

Die Grenzen unserer Sprache,
die Grenzen unserer Welt.
Wie ist es bei uns
mit unserer halben Sp-
rache eng, begrenzt, nur auf sich gestellt, rück-
bezüglich, Wanderer, kommst du nach Spra.
Deine Wörter 
halte ich in der Hand,
schaue sie genau an,
verstehe sie nicht mehr, gehst Du
oder prüfst Du
mich Schalk in Deinen Au-
gen, eigentlich bist Du kein
Thema.
Vor-
geschriebene Sätze geben keinen Tro-
st, pst, pst, ab-
solvo te
bevo-
r wir lachen
noch eine Runde
so richt
ig
kitsch-
ig
wie in unseren  Familien-
alben.
Jene glückliche Verkrampft-
heit des zuckersüssen
Somüsserwirsein.
Wir haben das Bild von uns
Zum Bild von uns gemacht.
Letzte Atemübungen vor einem
endlos Start.
Schau auf Deine H-
ände, bewund-
ere dieses Zi-
ttern, das die Lu-
ft streichelt
zw-
ischen uns ent-
schuldige,
darf ich
noch ein F-
oto von Dir?

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