Michelangelo

Du weißt, Herr, daß ich weiß...
(Sonett an Tommaso Cavalieri, Übertragung: Rainer Maria Rilke)

Du weißt, Herr, daß ich weiß, wie sehr du weißt,

daß ich, um dich zu fühlen, dich erreiche,

und weißt, ich weiß, du weißt, ich bin der Gleiche:

was ists, das uns im Gruße zögern heißt?

Ist wahr die Hoffnung, die du mir gebracht,

und wahr der Wunsch und sicher, daß er gelte,

so bricht die Wand, die zwischen uns gestellte,

verhehltes Wehe hat nun doppelt Macht.

Wenn ich an dir nur liebe, was auch du

am meisten an dir liebst, Herz, zürne nicht.

Das sind die Geister, die sich so umwerben.

Was ich begehr in deinem Angesicht,

dem sehn die Menschen unverständig zu,

und wer es wissen will, der muß erst sterben.

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