Aus dem Kochbuch Frieda Kahlos
Meine Herren,
bitte sehr -
was ich heute hier servier´
ist mehr als nur Kalorien zuzuführ´n !
es ist -
NEHMEN SIE BITTE DEN HUT AB !
UND DRÜCKEN SIE GEFÄLLIGST DIE ZIGARREN AUS !
ERWEISEN SIE RESPEKT DEM GEDECKTEN TISCH !
SIE STEHEN VOR EINEM GERICHT !
- eine Speise, die demütig-leise
ein höfliche Verneigung verlangt.
Sei'n Sie bedankt
für diese Verbeugung.
Ich sah sofort die Herren von Welt,
denen es gefällt, dass in öligem Nass
TINGA POBLANA reift.
- SIE NEHMEN SOFORT DEN FUSS VOM TISCH ! -
TINGA POBLANA - ein strammer Gockel,
eine Gladiator, ein Imperator
des Hofes, sprungbereit und im Kampf gestählt,
von kundiger Köchinhand ausgewählt,
bevor er sich eines Unwürdigen hätte beugen müssen,
gerupft, zerhackt,
in sonnengebrannten Peperoni und in scharfen Zwiebelchen gepackt,
mit erdigen Knollen vermählt, und -
-UND SIE, JA SIE DAHINTEN, SIE TRINKEN ERST, WENN ICH ES IHNEN ERLAUBE ! -
in bestem Feuer dem Bade ausgesetzt.
TINGA POBLANA - jetzt.
Aphrodites Lustäpfelchen garnieren
saftig die tönernen Schalen. Zeigen Sie Manieren.
Heben Sie Ihr Glas !
Auf die Schärfe, die Erde und die Lust,
die armen Leuten eigen sind.
Und die Männer von Welt schweigen macht.
NA ALSO: ES GEHT DOCH !
TINGA POBLANA. Heute Nacht.Heute Nacht. TINGA
POBLANA !
(2004)
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