Michel Mette

Die Lerche

Das Vögelein hatte sich vom Grund erhoben.
Der junge Tag schlägt seine erste Seite auf.
Gesangesfäden sich mit Wind verwoben,
ein helles Band verkündet der Sonne Lauf.

Der Jubelschrei durchmißt des Raumes Weite,
die endlos aus dem Horizont gebiert.
Des Liedes Widerhall in Stromesbreite,
kaskadengleich am Felsenhang gefriert.

Im ersten Sonnenstrahl zerbirst wie Funkenstieben
der Stimme silberheller Klang im Licht,
und tongewebte Saitenschleier  trieben,
der Nacht die Morgenröte in's Gesicht.

Des Mondes Sichel muß in zartem Blau ertrinken,
der Sterne Plan am Firmament verbleichen,
der schwarze Schatten in den Boden sinken,
die Nacht dem Tag das Ruder überreiche

Es ist des Morgens heitere Verpflichtung,
ins Tal zu schleudern gold'ne Feuerlanzen;
und auf des Waldes kleiner Lichtung,
zur Melodie die Mückenwolken tanzen.

Dem hellen Glanz erliegt die Schattenkühle,
am hohen Berg die gelben Felsen blinken.
Die Ferne zittert lustvoll in der Schwüle
und federweiße Cirrusfahnen winken.

Das Vögelein erklimmt die Himmelsleiter.
Mit jedem Flügelschlag die Lichtersprossen steigt
der zarte Silberklang als Wegbegleiter,
bis da� die Sonne sich zum Abend neigt.

Es hat den heißen L�üsich verschworen,
sein kleines Lied den Winden übergeben
und sich sein eig'nes Königreich geboren,
als wollt' es ewiglich dort oben leben.

(1998)

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