Wolfgang Menzel

Ziska

1. In einer wilden Schlacht,
Wo Herrn und Knechte stritten,
Erlag der Fürsten Macht
Dem Schrecken der Hussiten.

2. Der Ziska, alt und blind,
Am Lindenbaume richtet;
Der Fürsten Kronen sind
Zu Füßen ihm geschichtet.

3. Zur Recht’ und Linken wehn
Die Fahnen von der Linde;
Zwar kann er sie nicht sehn,
Doch rauschen sie im Winde.

4. Die Bauern stehn im Kreis,
Gelehnt auf Eisenkeulen;
Er wird des Siegers Preis
Den Tapfersten erteilen.

5. Sein Antlitz ist verklärt,
Ob ihn auch Nacht umhülle,
Da er aufhebt das Schwert
Und spricht bei tiefer Stille:

6. “Kniet alle vor mir hin,
Ihr von unedlem Blute,
Doch von sehr edlem Sinn
Und von des Löwen Mute!

7. Der Adler liegt im Feld,
Gedroschen alle Garben;
Doch hier steht manch ein Held
Mehr wert, als die verdarben.

8. Die solchen Mut ihr trugt,
Den Erdkreis machtet zittern,
Die ihr die Ritter schlugt,
Euch schlag’ ich nun zu Rittern.

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