Vienna von Eva Manesse, 2005, KiWi

Eva Menasse

Vienna
(Leseprobe aus:
Vienna, Roman, 2005, Kiepenheuer & Witsch)

"In einer typischen Formulierung hieß es in meiner Familie immer, ›Nandls Schicksal ist angeboren‹, denn Nandl sei zweifellos Opfer eines Vererbungsdesasters. Zwar sei er so gutaussehend wie sein Vater Dolly und könne so charmant sein wie seine Mutter, doch habe er Dollys begrenzten Verstand in der fatalen Kombination mit Gustls krimineller Energie geerbt. ›Optisch geht er als Heiratsschwindler durch‹, hatte meine Großmutter schon in Nandls Jugend, bevor er das erste Mal straffällig wurde, bemerkt, ›doch sogar dazu ist er zu dumm‹. Das ›sogar‹ bezog sich darauf, dass meine Großmutter im Allgemeinen von Frauen eine noch schlechtere Meinung hatte als von Männern."

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