Die Seele des Messers von Christoph Meckel, 2006, Hanser

Christoph Meckel

Prospero
(Leseprobe aus: Die Seele des Messers, Gedichte, 2006, Edition Lyrik Kabinett bei Hanser)


Go and catch a falling star,
Get with child a mandrake root,
Tell me where all past years are,
Or who cleft the devil's foot.

Stimmt, was ich höre: du machst Schluß
mit deiner Tätigkeit?
Du hast den eigenen Zauber satt
schwörst ab dem unerhörten Spiel und bist
deiner Sache sicher?
Weg mit Vision und Formel. Dein Erscheinen
wirkt bloß noch komisch
fährt keinem in die Haut, stört keine Fliege
und macht die Leute reihenweise gähnen.

Und Zeit und Erde, läßt du hinter dir
in diesem Zustand, unverwandelt.
Du wirfst dein Werkzeug hin, taub, freudlos, zweifelnd
und denkst nicht an den Stachel, den du mir
ins Hirn gejagt hast. Du verweigerst
was allen Stoff durchdringt - dein Wort -
bis in den Grund und weiter, bodenlos.

Und wenn du schon die Szene räumst
und Zeit und Zukunft und was mir die Luft nimmt
sich selber überläßt - wem hast du dein
Rezept vermacht, die Formeln der Verwandlung.
Du wirst gebraucht, und ausgerechnet du
verscharrst dein Zeug im Dunkeln, ausgerechnet
du läßt mich sitzen, ohne Auskunft, hier
in diesem schlechten Traum, den kein Erwachen wegfegt.

Du machst mir zu schaffen, du hast mir schon immer
zu schaffen gemacht, doch jetzt: deine Sache
soll überflüssig sein, deine Stelle leer
ohne Wahrheit, vergeblich.
Unersetzbar bist du, mit oder ohne Gefolgschaft.
Grab dein Zeug aus oder laß es verschwinden
wirf dein Zeug weg, aber schlag dich
auf meine Seite, stell dich ins Licht, mach weiter.

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