regentage in windwirbeln
(Leseprobe aus: biotope,
Gedichte, 2008,
Lyrikedition 2000).
mein schachmatt waren ekg-spitzen,-zacken das laut pochende
herz. kein fußball, kein lauf. nur die luft lag bewegt, ein ventilator
für atemzüge. der norden windbefall, landschaft von nolde
in salzwasserbad, meereszungen verlief sich die kindheit
ins flachland, moorland setzte sie ein dorf aus schwarz-weißen
bildern. regentropfen platzten. die plattdeutsche sprache klang
aus dem labor. über kopfhörer lautsprecher schall sie zu uns
blind spielten wir die karte der worte im kopf war juli nicht juli
ein durcheinander von stimmen. die jahreszeit kaum erklärbar
wie die irrfahrt baumloser winde. geetdorpe, zwei gutsherren
spielten gegeneinander im torf stachen bauern landstriche
auf dem feld bot das möbelhaus wohnen mit kiefer und astloch
sie schlugen wohnzimmer aus schwedischen wäldern
gesichtslos waren die wiesen, steingewordene bewegungen
der städter zum land hin. am bahnhof setzte die jugend
zum sprung an. gräser folgten dem sommer nachwachsende stille
bei zunehmendem mond. wir gingen ins »stadt hamburg«
trieben steine zusammen mit jedem schachzug schlugen wir
den raum auf im kopf wirbelten winde im ventilator
landschaft von nolde
Rezension I Buchbestellung I home III08 LYRIKwelt © H.M./Lyrikedition 2000