zeitschleife
(aus: Landgang im
November, Gedichte, 2004, Verlag DIE SCHEUNE)
dieser sonntag schien eingerichtet
und das licht lobte
gerade mauern und neptun im brunnen
inmitten der üppigen schönen
einstmals standen im stein hier
sowjetsoldaten bewachten
den brüchigen frieden
sie sind einer tafel gewichen wohin
keiner weiß es und doch
dreht das pendel plötzlich elypsen
und matthias ersteigt
den hölzernen sonnengeheizten
olymp -
amanda aber
sitzt auf den gleisen
beim tee und die straßenbahn
kommt zum stehen
mit grellem klagenden laut
auch die fahrerin erstarrt
beim anblick des durch
sichtigen getränks in den tassen
das amanda am flughafen braute
in singapur
amanda trägt eine maske
ihr gesicht ist unter den flicken
geheimnis die augen bewegen sich kaum
die straßenbahn ist ein sonntagsgefäß
für wechselnde orte
eine menschenkanne ein schaukelndes schiff
ohne anker
es bringt die steinernen sowjetsoldaten
die ihre hände ausstrecken
und nach tee und viel zucker verlangen
amanda teilt aus
streicht fast zärtlich über den
rauhen stoff der uniformärmel
auch die straßenbahnfahrerin trägt
eine uniform
in unfrohem bordeaux eine weiße
bluse knöpft ihren hals
unterm rötlichen kinn
sie öffnet den mund da
ertönt das martinshorn und die ordnung
wäre fast wieder hergestellt
wäre da nicht amandas spur auf den gleisen
das russische lied in der luft und
ein kaum wahrnehmbarer duft chinesischen tees in
seiner durchsichtigkeit der den ratlosen
polizisten in die nase fährt
auf dass auch sie
zu singen anfangen die knie
zu einem tänzchen biegen
sie strecken die finger
nach amandas feinem gesicht
doch die ist lange schon weg bei den vögeln
den verlorenen uhren
den fragezeichen aus bast
den briefkastenschlitzen aus denen
skrjabins geige ertönt
in den armen des sonntags
der sich freundlich an sie schmiegt
diese freundin die zu umfassen
sonst keinem gelingt -
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