Klaus Martens

Moos und Koralle

Das tiefe, nördliche Moos
über Felsen und Stümpfen
hat, aus der Nähe betrachtet,
in der Struktur etwas gemeinsam
mit bestimmten Korallen in südlichen
Meeren. Auch ist es das Leben
in beiden, so mikroskopisch
geschäftig, das sie gemeinsam haben.

Die Farben sind, in Augen-
oder Lichtschein, anders. Wir wissen
Bescheid. Wir wissen auch,
es gibt keinen Schmuck aus Moos;
doch Korallen, in Silber gefasst,
sind einmal Mode gewesen.
Auch literarisch dominiert
die Koralle, die, so Shakespeare,

aus dem Skelett des Vaters
erwächst. Das Moos im tiefen
Wald, im Norden manchmal
bald fünf Faden tief,
nährt sich von Feuchtigkeit,
aber nicht von Elternhumus,
soviel wir wissen, doch leuchtet
sein frisches Grün so lebendig.

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