Die Liebe ist ein Schweindel von Maurizio Maggiani, 2004, Edition Nautilus

Maurizio Magginai

Die Liebe ist ein Schwindel
(Leseprobe aus:
Die Liebe ist ein Schwindel, Erzählungen, 2004, Edition Nautilus - Übertragung Egon Günther)

»Die Liebe ist eine große legendäre Tat und jede Legende, sei sie groß oder klein, ist unverhältnismäßig, und du kannst ihr Dasein nur mit verzauberten Augen wahrnehmen.«

Sie fehlt mir. Und deshalb träume ich von ihr. Fast jede Nacht, seit mehr oder weniger sechs Monaten, und das heißt, seitdem sie mir fehlt. Ich vermisse sie sehr, und wenn ich nicht jede Nacht von ihr träume, dann deshalb, weil ich mitunter auch von anderen Dingen träume, die mir fehlen. Die vermisse ich aber nicht so sehr, und ich träume nur ab und zu von ihnen.
Ich stelle mir vor, dass sie lacht, denn ich träume von einem fröhlichen Mädchen. Sie redet nie mit mir, doch das macht nichts: Mir genügt allein ihr Anblick. Ich will nicht, dass sie mir irgendwas sagt, das ich missverstehen kann, oder, schlimmer noch, dass sie mir Fragen stellt, die ich falsch beantworte. Im Traum weiß man nie, was einem vielleicht entfährt; im Traum ist es besser, solange es geht den Mund zu halten.
Meist ist sie im T-Shirt und in Jeans, und ich habe das Gefühl, dass es immer gegen Abend ist, im Sommer. Das T-Shirt kenne ich nicht, sie muss es in letzter Zeit gekauft haben, die Jeans dagegen schon, die würde ich selbst an einem winzigen Fetzen erkennen. Sie hat sie, seit wir uns kennen. Sie haben nämlich schon fast keine Farbe mehr.
Ich bin zufrieden, dass sie diese Hosen trägt, wenn sie mir im Traum erscheint, denn sie sind das, was ihr am besten steht. Sie hat einen schönen Po, sogar einen recht außergewöhnlichen. Ihr Po wird wirklich nur in diesen besonders geschnittenen Jeans betont, deren Maße an der Hüfte gerade mal ein ganz klein wenig weiter und an den Backen ziemlich enganliegend sind.
Vor ihr hat sie vor nun etlichen Jahren Doris Day in einem Film getragen, in dem sie eine junge amerikanische, sehr beherzte Mutter spielte. Mir hat Doris Day damals, als ich ein junger Kerl war, sehr gefallen, und sie hört nie auf, mir zu gefallen; ich sehne mich nach ihren Filmen, ihren Jeans und jenen Hemden, die sie mit einem um die Taille geschürzten Knoten trug. Es würde mir wirklich nicht missfallen, wenn die Dinge so wie in einem ihrer Filme liefen: wenn ein Mann, ein etwas unordentlicher, aber auch nicht zu verlotterter Mann, es fertigbringt, sich für den Stil zu erwärmen, mit dem eine Frau ihre Hosen und Hemden zur Geltung bringt.

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