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Das unsagbar Gute
(Leseprobe aus:
Das unsagbar Gute, Roman,
2011,
Deuticke).
1
J
ede Katze braucht einen Menschen. (Leider ist es so, dass nicht jede Katze einen Menschen hat. Auch nicht jeder Kater.)Bei Hunden würde man diesen Satz einsehen – aber bei Katzen? Die sind doch so unabhängig und eigensinnig und hochmütig und so weiter. Katzen sind falsch, weiß der Volksmund. Der Volksmund weiß bekanntlich gar nichts, es ist der dümmste Mund auf Gottes Erdboden, aber was er hervorplappert, ist ebenso unausrottbar wie die Grippe.
Katzen sind nicht falsch, überhaupt nicht. Ihre Sprache ist nur schwerer verständlich als die Sprache der Hunde. Hunde haben ihre Sprache an den Menschen angepasst, um sich Vorteile zu verschaffen, Hunde sind schlau. Das sei ihnen gegönnt, aber wenn wir bei der Wahrheit bleiben, sind Hunde Opportunisten, Katzen nicht. So gesehen sind Katzen wahrhaftiger als Hunde.
Jede Katze braucht einen Menschen, wie jeder Mensch einen Gott braucht. Natürlich kommt es vor, dass eine Katze mehrere Menschen hat; dann hat sie eben mehrere Götter. Nicht übertrieben viele wie die dreihundertdreißig Millionen, die nach Hinduglauben alle in den Hinterbacken einer Kuh wohnen, aber zwei, drei oder auch fünf. Wie die Götter der Menschen sind die Götter der Katzen, die Menschen, freundlich oder unfreundlich, launisch, sentimental, manche sind böse. Und schwer zu verstehen sind sie alle. Ihre Wege sind unerforschlich, und sie haben große Macht; sie tun Dinge, die den Horizont der jeweils niedereren Wesen übersteigen, und sie tun diese Dinge aus Gründen, die nur sie selber kennen.
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