David Luschnat

Aufbruch der Seele
(Leseprobe aus:
Aufbruch der Seele, Gedichte, 1935)

Liebe ist da, wo der Aufruhr des Herzens nicht wartet,

Nicht wartet,

Bis der Erlöser erscheint, der Löser und Retter,

Der Retter aus treibender Triebnacht:

Sondern in furchtbarem Aufbruch

Sich überstürzt, überwältigt,

Sich aufbricht schreiend und tosend

Die Brust aufreisst,

Die fühlende, blutende Menschenbrust

Aufbricht und das Herz zeigt,

Das zuckende, zitternde Menschenherz,

Und sich darbringt,

Sich opfert.

 

Da nehmt und trinket mein Blut

Und esset mein Fleisch.

Nehmt mein Blut und erkennt,

Dass ihr Menschen seid.

Erkennt das Weltlicht,

Das aus mir aufbricht

Und lebendige Worte spricht

Und da ist und leidet und leuchtet.

 

Erkennt euch als Menschen!

Erkennt mich,

Fühlt mein Herz!

Seht, wie mein Blut verströmt!

Hört mich schreien!

 

Hört mich schreien!

Wie das Meer schreit im Sturm.

Hört meinen Schrei in der Nacht,

Meinen Ruf in der Finsternis,

Mein Heulen in der Wüste der Zeit,

Hört den Aufbruch der Seele!

Hört mich schreien.

Hört!

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