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Berger
(aus: Dreharbeit und
andere Schlüsselszenen, Kurzgeschichten, 2001)
Nachdem Berger die Butterdose verschlossen, die Marmelade in den Kühlschrank und den beschmutzten Kaffeetopf in die Spüle gestellt hatte, zog er sich zuerst den rechten, dann den linken Schuh an, schlüpfte in den Mantel, band sich den Schal um und setzte die Mütze auf. Seine Frau würde, sobald sie vom Kindergarten, wohin sie gerade die Kinder begleitete, zurückkäme, das Frühstücksgeschirr spülen, um anschließend die Vorbereitungen für die Mittagsmahlzeit zu treffen. Berger prüfte noch einmal, ob er die Kaffeemaschine ausgeschaltet hatte, und wollte anschließend das Haus verlassen, um zu der etwa siebzig Meter entfernten Bushaltestelle zu gehen, dort drei Minuten auf den Bus zu warten und mit diesem dann zu seinem Arbeitsplatz, dem Finanzamt in der Stadtmitte, zu fahren.
Als Berger jedoch die Haustüre öffnete, bewog ihn ein ungewöhnlicher Anblick auf dem kleinen Vorplatz dazu, erschrocken auf der Türschwelle stehen zu bleiben und dort einige Sekunden reglos zu verharren. Unwillkürlich blickte er sodann auf seine Armbanduhr, da er befürchtete, den eventuell verfrüht eintreffenden Bus verspätet zu erreichen.
Vor ihm auf dem Boden ausgestreckt lag der Briefträger, welcher offensichtlich auf den vereisten Betonfliesen ausgeglitten und gestürzt war und sich beim Aufprallen auf den Boden wohl eine Verletzung am Kopfe zugezogen hatte, was Berger aus der eingetrockneten, auf der Fliese, welche durch den Oberkörper des Briefträgers teilweise bedeckt wurde, befindlichen Blutlache und einigen vereinzelt herumliegenden Schneide- und Eckzähnen ersah.
Weiterhin schien der Briefträger an den Folgen seiner Verletzungen gestorben zu sein, denn er sah nicht auf, als Berger ihn auf die prekäre Situation hin, in der er, der Briefträger, sich befände, ansprach.
Zur Überprüfung dieser Vermutung ergriff Berger die Hand des Briefträgers, die ihm dieser zusammen mit dem Werbekatalog eines Versandhauses entgegenstreckte, so als wollen er rufen “Berger, ihre Post!”, und befand sie widernatürlich kalt und infolge des Frostes sehr steif gefroren.
[…]
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