Paradies, irisch von Jürgen Lodemann, 2009, Klöpfer&Meyer

Jürgen Lodemann

Paradies, irisch
(Leseprobe aus: Paradies, irisch, Roman, 2009, Klöpfer&Meyer)

Kirwan biss wieder ins Bürzel, kaute und schielte auf den geraden Rücken des stillen Essers auf dem Nachbarstuhl. »Und wahrlich, ich sage dir, nur eines gibt es, was noch mehr wert ist als solch ein mit Pfeffer, Koriander und Rotwein gewürzter Entenarsch.« – »Klar«, sagte George und kaute. »Galwaylachs. In Wacholder gedünstet.« – »Nein, der Gipfel von Gottes Schöpfung ist eine Elfe.« – »In Wacholder gedünstet.« – »Nein, Dummkopf. Eine Elfe in ihrer Begierde.« – George hörte auf mit Kauen. »Was sagst du da, Bruder Alexander. Andere Kirchenleute behaupten, das schmecke höllisch! das treibe uns nicht zu den Feen, sondern ins Fegefeuer!« Vergnügt feixte er gegen den steifen Rücken zwischen ihnen. – Im Gegenteil, himmlisch schmeckt das. Denn die Fee, in ihrem heftigsten Appetit auf das Liebeswerk, sie schenkt uns die hitzigsten, die saftreichsten, die zärtlichsten und seidenweichsten Teile des irdischen Lebens, den Gipfel im Gipfel der Schöpfung. Den als höllisch zu verurteilen, das können nur Teufel. Ignoranten. Heuchler.

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