Anrufung der Kindheit von Johann Lippet, 2039, Lyrikedition 2000

Johann Lippet

Anrufung der Kindheit
(Leseprobe aus: Anrufung der Kindheit, Gedichte, 2003, Lyrikedition 2000).

I

Was soll’s, frage ich, seit geraumer Zeit rede ich öfter mir mir,

was soll’s also: Ich, einer, Unzählige wie ich einer, wollen

es wissen

ob’s geht habhaft zu werden der Erinnerungen an die Kindheit

Idylliker allesamt wir sind das eint uns insgeheim dasselbe

Leben

deins und meins ist eins schönster Trugschluß von allen,

sagst du,

der Vorhang könnte sich öffnen lautloser Beginn wie

im Theater

Versuchen, rufe ich ermunternd dir zu klopfe, Vertrauen ist gut

Kontrolle ist besser, uns auf die Schulter ob’s trägt das Gerüst

für den Aufstieg ins Gewölk berührt mit der Hand

bringt’s Glück

wie das Tragen von Kieselsteinen in beiden Hosentaschen

damals

Wie also könnte es gewesen sein? Nostalgiker in allem

was betrifft

die Zeiten der Erinnerung des Lebens verflossene Tage

die Unzahl

vergeudeter die schönsten weil kein Bewußtsein da von Verlust

Den Schlüssel du brichst im verrosteten Schloß zur Tür

der Kammer:

Hinein mit Gewalt ins Gemach des windschiefen Hauses es

kann gehen

los im Einvernehmen du und ich, lyrisches Ich, weil angerufen

die Muse,

du verstehst, wie in Zeiten großer Fahrten zu Wasser und

zu Lande

(...)

Rezension I Buchbestellung I home II09 LYRIKwelt © Lyrikedition 2000/J.L.